STRATEGIE

​IN CORONA-ZEITEN ZEIGT
SKANDINAVIEN SEINE HERAUSRAGENDE
STELLUNG IN EUROPA

Dass die skandinavischen Volkswirtschaften gut dastehen, ist weitgehend bekannt. So hatte Schweden Ende 2019 eine Staatsverschuldung von lediglich 35 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt, Dänemark 34 Prozent und Finnland 59 Prozent. Auch Norwegen hat dank seines Ölfonds ein beachtliches finanzielles Polster. 

Skandinavien weist außerdem ein hohes Niveau an politischer und sozialer Stabilität auf. So gab es zum Beispiel in Schweden während des Lockdowns viele Empfehlungen und weniger Verbote. Hier wurde oft vom schwedischen Weg gesprochen, der von der Bevölkerung mitgetragen wurde, obwohl es Schweden versäumt hat, die Altersheime rechtzeitig zu schützen. Dies hat maßgeblich zu einer vergleichsweise hohen Sterberate beigetragen. Die Sterberaten in den anderen skandinavischen Ländern liegen interessanterweise dagegen sogar noch unter den deutschen Zahlen. 
​CORONA-TOTE PRO 100.000 EINWOHNER, Quelle: Dagens Industrie, Schweden, 17. August 2020
Durch den höheren Grad der Digitalisierung ist es in Skandinavien leichter gefallen, von zu Hause zu unterrichten oder zu arbeiten, da dies in vielen Bereichen bereits zuvor schon üblich war. In Schweden waren die Schulen bis zur 9. Klasse geöffnet und in den anderen Ländern nur kurzzeitig geschlossen. 

Man kann an den Wachstumszahlen des zweiten Quartals sehen, dass Skandinavien deutlich weniger geschrumpft ist als der Rest von Europa, Deutschland eingeschlossen. Das gute Krisenmanagement wirkte sich positiv auf die Volkswirtschaften aus und so steht Skandinavien im zweiten Quartal 2020 vom Wirtschaftswachstum her deutlich besser da als der EU-Schnitt. 
Es wird deutlich, dass Skandinavien bisher relativ glimpflich davongekommen ist und darüber hinaus durch die niedrigere Verschuldung größere Möglichkeiten als andere europäische Volkswirtschaften hat, die Wirtschaft anzukurbeln. Damit sollte die wirtschaftliche Delle 2020 deutlich geringer ausfallen als im Rest von Europa. Die schwedische Bank SEB prognostiziert ein Schrumpfen der Volkswirtschaft für 2020 von 4,5 Prozent für Dänemark, 3,8 Prozent für Schweden, 2,9 Prozent für Finnland und 2,6 Prozent für Norwegen – für die Euroländer hingegen stattliche 8,8 Prozent.
BIP 2. QUARTAL 2020 VS. 1. QUARTAL 2020, Quelle: Eurostat, 14. August 2020, SHB für Norwegen
Skandinavische Firmen sollten somit im Durchschnitt in einer besseren Situation sein und die Bremsspuren der Pandemie etwas geringer ausfallen. Hilfreich dabei ist sicher auch das starke Know-how in Bereichen wie Energie, Digitalisierung, Medizintechnik und bei der ökologischen Umgestaltung der Volkswirtschaften. Gerade die beschleunigte Digitalisierung im Zuge der Corona-Pandemie gibt einer Reihe von skandinavischen Unternehmen bereits heute erheblichen Rückenwind. So schätzt Morgan Stanley sogar, dass es im gesamten nordischen Raum eine positive Abweichung gegenüber den Erwartungen gibt. Langfristig betrachtet haben die skandinavischen Märkte überdurchschnittliche Renditen erzielt. Die oben genannten Faktoren sollten diese strukturelle Attraktivität relativ zu anderen Märkten für den Rest des Jahres und darüber hinaus weiter unterstützen.  
Profiteure der oben skizzierten Entwicklungen aus Skandinavien 

Aus dem Bereich Energie sollte Aker Carbon Capture erwähnt werden. Das norwegische Unternehmen, welches kürzlich als Spin-off von Aker Solutions an die Börse gekommen ist, hat eine Technologie zur Verflüssigung von CO₂ entwickelt, mit der zum Beispiel Anlagen zur Zementherstellung oder Kohlekraftwerke deutlich umweltfreundlicher betrieben werden können. 

An der Schnittstelle zwischen Digitalisierung und Medizin liegt Babylon, ein digitaler Service, der mithilfe von künstlicher Intelligenz ärztliche Diagnosen zur Verfügung stellt und Online-Arztbesuche ermöglicht. Das Unternehmen ist Marktführer in Großbritannien und hat bereits Fuß in den USA gefasst. Babylon ist das größte Asset der in Schweden börsennotierten Investmentgesellschaft VNV Global.  Im Bereich Digitalisierung ist Kahoot! eine erfolgreiche E-Learning-App des gleichnamigen norwegischen Unternehmens. 

Einen attraktiv bewerteten E-Commerce- Titel findet man in Finnland: Verkkokauppa. Die „Lightversion von Amazon“ hat ein geschätztes KGV von 17 für 2020 und eine erwartete Dividendenrendite von 4,8 Prozent (Stand 15. September 2020).
 
Wem Einzelinvestitionen zu riskant sind, sollte sich überlegen, in einen Skandinavienfonds zu investieren, der neben Titeln mit hoher Marktkapitalisierung auch kleine und mittelgroße Unternehmen berücksichtigt – wie beispielsweise der FRAM Capital Skandinavien (WKN: A2DTLZ). 

ÜBER DEN AUTOR

Florian Romacker ist Geschäftsführer der FRAM Capital GmbH und Portfoliomanager des FRAM Capital Skandinavien (WKN A2DTLZ). Der diplomierte Volkswirt verfügt über mehr als
20 Jahre Erfahrung im Bereich Equity Sales für skandinavische Aktien.